19 May 2012    
English
 
 
 
 
 
    TATA - Ethik
 
 
 
 
 
 
 
   WA-Mozart ConsultingEmpfehlungenEthik & SozialesTATA - Ethik

Artikel FAZ: 17.12.2007 von Christoph Hein

 

 

Ratan TATA ist 70

 

graphic
Foto von AFP

    Der indische Unternehmer Ratan Tata wird an diesem Dienstag 70 Jahre alt. Nein, eine große Feier werde er nicht geben, meinte einer, der Ihn gut kennt. Seinen 70. Geburtstag werde Indiens führender Unternehmer am kommenden Dienstag ohne Glanz und Gloria begehen. Schließlich lebe er auch für seine Verhältnisse eher bescheiden: eine Altbauwohnung in Opens external link in new windowBombays Stadtteil Opens external link in new windowColaba, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin, zwei Hunden, einem Koch und einem Hausangestellten. Für Indiens Unternehmerelite ist dass nichts. Baut sich doch etwa Mukesh Ambani, Chef der Opens external link in new windowReliance Industries und knapp 50 Millarden Dollar schwer, gerade einen Wohnturm mit 27 Stockwerken für seine Familie.



    Tata hat solchen Prunk nicht nötig. Bezeichnend für Ihn: Während er auf der Liste der mächtigsten Manager der Welt, zusammengestellt vom amerikanischen Opens internal link in current windowWirtschaftsmagazin "Fortune", auf Platz 23 der bestplazierten Unternehmensführer Indiens ist, taucht er in der gleichzeitig veröffentlichten Liste der reichsten Inder, aufgeführt vom Kokurrenzmagazin "Forbes", nicht einmal auf. Anders als Bierkönig Vijay Mallay läßt sich Tata nicht im knallroten Bentley durch Bombay chauffieren, sondern nimmt in einem alten Volvo Platz. Auch wenn sein Konzern demnächst die Edelmarke Jaguar übernimmt, dürfte der Chef seiner Bescheidenheit treu bleiben. Ratan Tata interessiert irdischer Luxus nicht. Er hat eine Aufgabe zu erfüllen.



    Tata ist Patriarch und Visionär in einem. Hochgewachsen, höflich und zurückhaltend, mit festem Händedruck, strahlt er die Würde eines Mannes aus, der auch Reeder, Verleger oder Diplomat hätte werden können. Aber Tata hat in Amerika Architektur studiert und ist heute Kaufmann. Sein Unternehemen handelt mit Tee und baut Automobile, entwickelt Software, schraubt Bagger zusammen und vermietet Hotelbetten, verkauft Klimaanlagen und vergibt Kredite, sendet Fernsehprogramme, unterhält wissenschaftliche Institute und erstellt Wohn- und Industriekomplexe. 98 Einzelfirmen, 27 davon börsennotiert, in sieben Sparten zählt das Konglomerat. Zwei Drittel der Dachgesellschaft Tata Sons liegen in Händen der beiden wohltätigen Familienstiftungen Sir Dorabji Tata Trust und Sir Ratan Tata Trust.



    Seit jeher nahm die Familie der Tatas ihre gesellschaftliche Verpflichtung ernst. Tata sons wurde im Jahr 1868 von Opens external link in new windowJamsetji Nusserwanji Tata gegründet. Zugleich stampfte er die Opens external link in new windowStahlstadt Jamshedpur bei Opens external link in new windowKalkutta aus dem Boden. Bis heute gilt Jamsethi Tata aber nicht nur als Entrepreneur, sondern auch als großer Humanist. Von Ihm ist der Satz überliefert: "Wir behaupten nicht, selbstloser, großzügiger oder bessere Philantropen als andere Menschen zu sein, aber wir glauben, wir haben feste Prinzipien. Von Ihnen ausgehen, nehmen wir die Interessen unserer Aktionäre ebenso ernst wie dei Gesundheit und das Wohlergehen unserer Mitarbeiter, die die wirkliche Basis unseres Erfolges darstellen."



    Ratan Tata formuliert dasselbe heute schlichter: "Wir werden Indiens Aushängeschild für ethische Geschäftsführung, Vertrauenswürdigkeit und Fairness angesehen." Bis heute gilt der Tata-Konzern als vorbildlicher Arbeitgeber. Auch wenn sein Vorhaben, im kommunistischen Westbengalen eine Fabrik für die Fertigung eines Billigautos zu bauen, auf heftigen Protest der einhzeimischen trifft  -  schuld seien politische Wirren, meint Tata. Unter seiner Führung etwa gelang es, die Zahl der Mitarbeiter im Stahlgeschäft um die Hälfte zu verringern - bei besten Sozialleistungen. Gern weist der Unternehmer darauf hin, dass die großen Restrukturierungsprogramme, die der Konzern seit den neunziger Jahren gefahren hat, nur dank der seit Jahrzehnten hervorragenden Beziehungen zur Belegschaft überhaupt denkbar gewesen seien.



    75 Jahre lang hat es bei Tatat Steel keinen Streik gegeben, ein Rekord in Indien. Gleichzeitig hat Ratan Tata den Gewinn des Konglomerats innerhalb einer Dekade verdreifacht. Heute ist Tata mit 290.000 Mitarbeitern größter Arbeitgeber. Der Umsatz von knapp 29 Milliarden Dollar trägt rund 2,8 Prozent zum indischen Bruttoinlandsprodukt bei.



    Das ist Tata wichtig, betrachtet er doch seinen Konzern als Mittel, die indische Gesellschaft zu entwickeln. Die Amerikaner verglichen Tata einst mit Opens external link in new windowJack Welch, dem legendären Vorstandschef von General Electric. Diesen Vergleich, den andere als Ritterschlag verstünden, wies der Inder vehement zurück: "Ganz sicher bin ich kein Welch. Wir stecken zwei drittel der Gewinne von Tata Sons in wohltätige Zwecke."

    Um dies aber tun zu können, müssen zuerst einmal Gewinne sprudeln. Tata sorgt dafür, indem er restrukturiert und zugleich im Ausland expandiert: Ob er nun Tatlex Tea übernimmt, die koreanische Daewoo Motors, Natsteel aus Singapur oder vor einem knappen Jahr den Stahlkonzern Corus für rund 8 Millarden Euro - Tata ist einer der mutigsten Inder, wenn es um Wachstum im Ausland ging. Allein seit dem Jahr 2000 hat sein Haus 27 Unternehmen gekauft.



    Mit 70 kommt Tata nun in ein Alter, wo es um das große Ganze geht. Wie also möchte er dereinst in den Geschichtsbüchern dastehen? "Ich bin niemand, dem es um das eigene Ego geht. Wenn überhaupt, dann sollte ich für die Neuausrichtung des Konzerns stehen", empfiehlt er.

Lob kann man sich kaufen, Neid muss man sich verdienen! Copyright © 2009 Impressum |  Kontakt |  Übersicht |  Technologie  |  Freelancermap